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Nr.2-2006 |
Als im Mai 2004 die Fußballweltmeisterschaft 2010 nach Südafrika vergeben wurde, kannte der Jubel am Kap keine Grenzen. Nicht nur wegen des „Mandela-Bonus“ und der Gunst von Fifa-Präsident Joseph Blatter, sondern vor allem wegen seiner wirtschaftlichen Potenz setzte sich Südafrika im Fifa-Exekutivkomitee gegen die nordafrikanischen Mitbewerber durch (afrika süd 2’04). Doch zwei Jahre später herrscht im südafrikanischen Fußball Krisenstimmung: Die Nationalelf ist erfolglos, der Verband führungsschwach und im Hinblick auf die Durchführung der WM 2010 geben die Afro-Pessimisten den Ton an. Doch allen Kassandrarufen zum Trotz haben die Vorbereitungen für die WM 2010 begonnen. Martin Adelmann |
Sportlich konnte das Nationalteam schon längere Zeit nicht mehr an die glorreichen 1990er Jahre anknüpfen, als „Bafana Bafana“ (die Jungs) an drei WM-Turnieren teilnahm (1994, 1998, 2002) und 1996 im eigenen Land den Afrikacup gewann. Nach dem schlechten Abschneiden beim Afrikacup 2004 in Tunesien wurde deshalb mit dem Engländer Stuart Baxter ein neuer Trainer verpflichtet, um im Hinblick auf 2010 eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Dieser war zunächst überaus erfolgreich, nicht zuletzt deshalb, weil er einige der in Europa spielenden Stars (u. a. Quinton Fortune, Mark Fish, Benny McCarthy) dazu bewegen konnte, wieder ins südafrikanische Nationalteam zurückzukehren. Doch trotz Platz eins in der WM-Qualifikationsgruppe geriet der Trainer zunehmend in die Kritik. Nach einer enttäuschenden Vorstellung beim 2:1-Sieg über Uganda startete das vor allem von Schwarzen gelesene Massenblatt Sowetan am 31.3.2005 unter der Titelschlagzeile „Battle for Bafana Soul“ eine Medienkampagne gegen Trainer Baxter. Der Hauptvorwurf lautete, der Engländer ließe zu unattraktiv, zu europäisch spielen und verrate so den (süd-) afrikanischen Fußball: „We are South Africans and have no business kicking the ball like wannabe Englishmen. We do not skiet and donder the ball, we play it. The sooner Baxter gets this, the better.” Verbunden mit der Forderung nach einer attraktiven, „afrikanischen“ Spielweise wurde der vermehrte Einsatz von Spielern aus der südafrikanischen Liga verlangt. Im Gegensatz zu anderen Sportarten (Rugby, Cricket) verläuft die ideologische Linie zwischen „europäischen“ und „afrikanischen“ Spielern dabei weniger entlang der Hautfarbe als vielmehr entlang der Ligazugehörigkeit. Baxters Festhalten an einigen in Europa tätigen Legionären führte soweit, dass der Sowetan öffentlich mutmaßte, der Trainer agiere bei der Mannschaftsaufstellung in Allianz mit dem Spielerberater Rob Moore, der viele in Europa spielende Südafrikaner vertritt und der pikanterweise Baxter 2004 nach Südafrika empfahl. Die Medienkampagne gegen den Trainer, hinter der Teile der Verbandsführung und konkurrierende Spielervermittler vermutet werden, zeigte bald Wirkung. Nach neun Spielen ohne Sieg und verpasster WM-Qualifikation warf Baxter im November 2005 entnervt das Handtuch. Nicht jedoch ohne dem Verband vorher noch den Rauswurf von Teammanager Stanley Tshabalala zu empfehlen, mit dem er sich in einem ständigen Kleinkrieg befand und dem nicht nur er Inkompetenz vorwarf. Doch auch sein Nachfolger, der im südafrikanischen Klubfußball erfolgreiche Ted Dumitru, konnte die sportliche Talfahrt nicht stoppen. Im Januar 2006 schied Südafrika, ohne einen einzigen Treffer erzielt zu haben, bereits in der Vorrunde des Afrikacups aus. Angeblich hatten die südafrikanischen Spieler, motiviert durch einen Sieg im Vorbereitungsspiel gegen den Gastgeber und späteren Turniersieger Ägypten, noch bis kurz vor ihrem ersten Spiel versucht, mit dem Verband höhere Prämien auszuhandeln. Doch anders als bei früheren Turnieren scheiterten sie dieses mal mit ihrer Forderung. Angeblich musste der Trainer sie daraufhin bitten, überhaupt zum ersten Spiel aufzulaufen, das gegen Außenseiter Guinea prompt mit 0:2 verloren ging. Weder die jungen Spieler aus der südafrikanischen Liga noch die wenigen verbliebenen Stars aus Europa um Benny McCarthy (Porto), Sibusiso Zuma (Bielefeld) und Pierre Issa (OFI Kreta) – letzterer hatte bei seinem Verein seit einem halben Jahr kein Spiel mehr bestritten, was dem Verband bei der Nominierung wohl entgangen war – wussten zu überzeugen. Vierzehn Trainer in vierzehn Jahren Dass der Verband im 14. Jahr der Rückkehr auf die internationale Bühne nun den 14. Trainer sucht, stellt der Führung kein gutes Zeugnis aus. Langfristige Planung, inklusive einer entsprechenden Jugendarbeit, sind im südafrikanischen Fußball nicht vorhanden. In seiner Rede zur Lage der Nation ermahnte Staatspräsident Thabo Mbeki deshalb das ganze Land ausdrücklich, alle Kräfte für die WM 2010 zu bündeln. Um in Zukunft professioneller und auch wirtschaftlicher zu arbeiten, haben die Verantwortlichen inzwischen angekündigt, die Profiliga und die Nationalmannschaft gemeinsam von einer professionellen Gesellschaft und nicht mehr vom Verband selbst verwalten zu lassen. Das langfristig schwierigste Problem des südafrikanischen Fußballs dürfte allerdings die latent negative Berichterstattung über die WM 2010 sein. Zu gut lassen sich die kleinen und großen Probleme des südafrikanischen Fußballs in journalistische Beiträge umwandeln, die gängige afro-pessimistische Klischees bedienen. Spiegel Online berichtete beispielsweise vom „WM 2010 Organisationschaos“ und „baufälligen Rugby Arenen“, die Afrikapost stellt in Punkto Stadienfinanzierung die provokante Frage „woher …nehmen wenn nicht stehlen? Und von wem soll man es überhaupt stehlen…?“ und selbst die ARD fokussierte ihren Beitrag anlässlich des Länderspiels Deutschland-Südafrika im vergangenen Jahr lieber auf Voodoo in der Umkleidekabine als sich sachgerecht mit den WM-Vorbereitungen auseinander zu setzen. Vergleicht man die Situation in Südafrika mit der WM 2006 in Deutschland, so wird in der Beurteilung der Probleme offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Auch in München feilschte man vier Jahre vor der WM noch über ein neues Stadion, in Deutschland verkehrt zur WM kein Transrapid, Schiedsrichter werden bestochen und die Eintrittskartenpolitik der Fifa widerspricht auch in Deutschland den Interessen der Fußballfans. Weshalb sehen manche bei ähnlichen Sachverhalten in Südafrika gleich die WM in Gefahr? Sicherlich entsprechen die südafrikanischen Stadien momentan eher dem Standard der 1980er Jahre als dem der neuen deutschen Arenen. Doch 1974 und 1988 fanden auch hierzulande erfolgreich Welt- und Europameisterschaft in weniger komfortablen Stadien statt und in Karlsruhe, Dresden und anderswo wäre man wohl froh, ein Stadion wie Ellis Park in Johannesburg vorweisen zu können. Und schließlich hat Südafrika noch vier Jahre Zeit! Im Februar 2006, fünf Monate vor (!) Ablauf der Fifa-Frist, hat Südafrika seine zehn Spielorte benannt. Die Stadien in Johannesburg (2), Pretoria, Rustenburg und Blomfontein sollen für die WM grundlegend renoviert und ausgebaut werden. In Kapstadt, Port Elisabeth, Durban, Nelspruit und Pietersburg sollen neue Stadien in kommunaler Trägerschaft entstehen. Weitere Stadien werden als Trainings- und Testspielstätten modernisiert. Die wohl modernste Spielstädte, mit verschließbarem Dach, soll für 1,2 Mrd. Rand (ca. 150 Mio. €) in Kapstadt gebaut werden. Das Endspiel soll in Soccer City (FNB Stadion) in Johannesburg vor 94 700 Zuschauern ausgetragen werden. Finanzminister Trevor Manual hat angekündigt, der Staat werde für die WM-Infrastruktur insgesamt 8,5 Mrd. Rand (1,1 Mrd. Euro) bereitstellen, davon 5 Mrd. für den Stadienbau. Auch die Verträge für den Bau des 20 Mrd. Rand teuren Schnellzugs „Gautrain“, der Johannesburg mit Pretoria und dem Internationalen Flughafen verbinden soll, werden wohl in den nächsten Wochen unterzeichnet werden, so dass die Verbindung eventuell noch zur WM fertig wird. Die Infrastrukturmaßnahmen in Zusammenhang mit dem Sportereignis sind das wohl größte Arbeitsbeschaffungsprogramm Südafrikas. Doch auch die Nachbarländer wollen vom Fußballboom profitieren. Neben Vorbereitungsspielen gegen hochkarätige Gegner hoffen die SADC-Staaten vor allem darauf, dass viele Fußballtouristen auch die Nachbarländer besuchen werden. Um dies zu erleichtern, plant die SADC bis 2010 ein Uni-Visum für Touristen einzuführen. Die WM 2010 ist damit trotz aller Kassandrarufe auf dem richtigen Weg. Selbst wenn die Ausrichtung am Ende weniger perfekt ausfallen sollte als hierzulande, sollte dies nicht als Makel gewertet werden, denn die WM nach Afrika zu vergeben war in der ansonsten strikt gewinnorientierten Fifa auch ein politisches Signal. Südafrikas OK Chef Danny Jordan fasste dies nach der Vergabe der WM treffend zusammen: „Some South Africans may not have food or a job, but they now have hope. Fifa has said Africa is worthy.” Wenn auch Bafana Bafana bis 2010 seine Seele wiederfindet, steht einem erfolgreichem Fußballfest nicht viel im Wege. Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arnold-Bergstraesser-Institut Freiburg
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| Stadion, Stadt | Kapazität 2010, geplante Maßnahmen |
| Soccer City, Johannesburg | 94.700 (Modernisierung) |
| Ellis Park, Johannesburg | 70.000 (Modernisierung) |
| King’s Park, Durban | 70.000 (Neubau) |
Green Point Stadium, Kapstadt |
68.000 (Neubau) |
| Port Elizabeth Stadium | 49.500 (Neubau) |
| Loftus Versfeld, Pretoria | 45.000 (Modernisierung) |
Free State Stadium, Blomfontein |
40.000 (Modernisierung) |
| Mbombela Stadium, Nelspruit | 40.000 (Neubau) |
Peter Mokaba Stadium, Polokwane |
40.000 (Neubau) |
Royal Bafokeng Sports Palace, Rustenburg |
40.000 (Modernisierung) |
Die Fachzeitschrift afrika süd,
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